Mit dem Kaufkausteleskop ins australische Outback

Elke & Rainer Mannoff

Magazin Sterne und Weltraum  3/98

 

Um bei einer Reise zu den Antipoden den Sternenhimmel fotografieren zu können, bedarf es nicht unbedingt einer professionellen Ausrüstung. Der folgende Reisebericht zeigt auf, wie man bei einer Fernreise Astrofotografie betreiben kann, ohne sich bei Gepäck oder Bewegungsfreiheit einschränken zu müssen.

Auf unserer ersten Australienreise 1995 war uns bereits klar, daß es nicht die letzte sein würde. Das Land läßt einen einfach nicht mehr los. Im Mai sollte es dann wieder soweit sein. Mit dem Auto von Perth nach Darwin; 6.000 Kilometer durch nahezu unbewohntes Gebiet – jammerschade, wenn wir das nicht für Himmelsbeobachtungen oder sogar –Fotografie nutzen könnten.

Unsere 10"-LX50-Ausrüstung wiegt allerdings 70 Kilogramm, ein kleines Frachtkosten-Vermögen. Zudem hätten wir anstatt des Mietwagens einen Transporter benötigt. So hielten wir nach einem kleinen günstigen Reise-Teleskop Ausschau – und wurden fündig: ein Danubia RET 50, noch kein Jahr alt, für 450.- DM. Das Danubia (Neupreis 750.- DM) hat ein kompaktes catadioptrisches Spiegelsystem (D114 mm) und eine relativ stabile Deutsche Montierung. Nachdem wir das Holzstativ mit ein paar zusätzlichen Schrauben stabilisiert hatten, teilte das Danubia sich mit Fotoapparat, Handtüchern und T-Shirts eine Reisetasche.

Das Kreuz des Südens, Eta Carinae, Omega Centauri, Skorpion und Schütze – das Frühjahr ist die ideale Zeit zur Beobachtung dieser Leckerbissen des südlichen Sternenhimmels. Nach drei bewölkten südlichen Herbstabenden an der Südwestküste war es dann endlöich soweit: über der Shark Bay strahlte die südliche Milchstraße vor einem Himmel, den nur die dunkle Wolke des Kohlensacks in seiner Schwärze zu übertreffen schien. Der Kugelsternhaufen Omega Centauri war gut mit bloßem Auge zu sehen und im Feldstecher ein Erlebnis, daß M13 schnell vergessen ließ.

Für die Beobchtung und Fotografie mit dem Teleskop war unser nächstes Etappenziel vorgesehen: die Hamersly-Range, ein Nationalpark im Landesinneren, bis zu 1.200 Meter hoch gelegen und ohne Niederschläge zwischen April und November. Es kam natürlich, wie es kommen mußte: es regnete. Nach einigen Tagen ohne erkennbare Wetterbesserung gaben wir auf und fuhren nach Norden weiter. Der Mond stand mittlerweile so ungünstig, daß ein Fotografieren der Region um das südliche Kreuz nicht mehr möglich war.

Trotz des mehr und mehr zunehmenden Mondes war die Lage nicht ganz hoffnungslos. Das Wetter wurde besser und der Mond ging kurz nach Mitternacht unter. Jetzt blieb genug Zeit, um das Zentrum der Milchstraße ins Visier zu nehmen. Um absolut sicher zu sein, daß kein Streulicht stört, mieteten wir uns für drei Tage einen Allrad-Wagen und fuhren in den Bungle Bungle Nationalpark. Für die 60 Kilometer vom Highway bis zum Campingplatz benötigten wir über drei Stunden; mehrmals schob sich dabei eine Woge der zu durchquerenden Wasserläufe über die Motorhaube. Im 99.000 Quadratkilometer großen Park steht kein elektrischer Strom zur Verfügung, die nächste Siedlung liegt zudem etwa 100 Kilometer von der Parkgrenze entfernt – ideale Bedingungen!

Gleich nach Sonnenuntergang machten wir uns an den Aufbau des Teleskops. Mit Hilfe einer (unverzichtbaren) Dosenlibelle war das Gerät in wenigen Minuten horizontal ausgerichtet. Die Süd-Ausrichtung dauerte ebenfalls nur knapp 10 Minuten. Zwar gibt es in unmittelbarer Nähe des Himmelspols keinen markanten Stern, aber es gibt zwei Sterne in der Umgebung, welche die exakt gleiche Deklination aufweisen: Alpha Muscae (Fliege) und Alpha Triangulum (südliches Dreieck); beide sehr leicht am Himmel zu finden. Die geographische Breite eingestellt und die Montierung so lang nach Westen oder Osten gedreht, bis sich bei einem Schwenen der Stundenachse von Alpha Muscae nach einiger Zeit Alpha Triangulum im Zentrum des Gesichtsfeldes befindet. Hierbei sei noch erwähnt, daß wir das beleuchtete Fadenkreuzokular unserer LX-50-Ausrüstung dabeihatten (die Erweiterungshülse von 0,96" auf 1 ¼ " ist für knapp 30.- DM zu haben).

Die Gaslampen der wenigen Camper in unserer Umgebung waren längst erloschen, als der Mond schließlich unterging. Direkt über unseren Köpfen war die Milchstraße nun in ihrer vollen Pracht zu sehen, da, wo sie am Schönsten ist: in ihrem Zentrum.

Mit Hilfe eine Schraubklemme befestigten wir die OM1 an der Gegengewichts-Stange des Teleskops – und schon konnte es losgehen. Zwei Objektive kamen zum Einsatz; ein 50 mm-Normalobjektiv (Olympus) und ein Teleobjektiv (Tamron). Die Aufnahmen wurden 5-7 min. (auf Fuji SG800) oder 10-12 min. (Kodak PG400) belichtet, die Handnachführung erfolgte über die biegsamen Wellen des Telekops.

Die Aufnahmen mit dem 135mm-Tele erforderten besondere Aufmerksamkeit bei der Nachführung. Wie die Aufnahmen später zeigten, durfte man den Leitstern im Fadenkreuz wirklich keine 10 Sekunden aus den Augen lassen, und das über einen Zeitraum von bis zu 12 Minuten. Nach zwei Stunden waren die Augen müde, Arme und Hände waren verkrampft vom ständigen Drehen an den Wellen. Genug für eine Nacht.

Auch in der folgenden Nacht gelangen uns noch schöne Aufnahmen. Letztendlich waren wir sehr froh, das Teleskop mitgenommen zu haben – auch wenn das Wetter schöne Aufnahmen vom Kreuz des Südens verhinderte. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal. Irgendwann reisen wir wieder auf die andere Seite des Äquators. Eines ist dann sicher: ein kleines Teleskop ist wieder dabei!